Egozine – Nina Weißenborn

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

„Die Brust, der Leib, ist eben immer eines, der darin wohnenden Seelen aber sind nicht zwei, oder fünf, sondern unzählige; der Mensch ist eine aus hundert Schalen bestehende Zwiebel, ein aus vielen Fäden bestehendes Gewebe.“ – Hesse, H. Der Steppenwolf. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1927/1974
Auch wenn ich mich nicht wie eine Zwiebel fühle, merke ich doch, dass ich Schichten habe. Welche Schichten das alle sind, werde ich wohl selber nie herausfinden. Obwohl tausende Seelen in meiner Brust wohnen, versuche ich euch heute acht Stück dieser tausenden vorzustellen:

Hallo, ich bin die Genießerin. Ich mag das Nichtstun und das Backen. Am liebsten backe ich Hefezöpfe. Und essen tu ich ich sie natürlich auch gern. 
Hallo, ich bin die Verkopfte. Vom zu viel Nichtstun fängt der Kopf zu rattern an. Ich lese gerne alte Bücher, auch wenn es manchmal anstrengend ist und bekomme manche Zitate einfach nicht mehr aus meinem Kopf heraus. 
Hallo, ich bin die Pflanzenmutti. Ich bin die, die ständig neue Hobbys findet. Heute sind es 60 Pflanzen. Sie sind meine liebsten Mitbewohner. 
Hallo, ich bin die Kreative. Ich kritzle, ich schöpfe Ideen. Ich mag vergangene und neue Kunst. Ich lerne durch Imitation. 
Hallo, ich bin die Faszinierte. Ich bin begeisterungsfähig. Ich mag das Düstere, das Natürliche und manchmal auch einfach das ganz Normale.
Hallo, ich bin die Chaotin. Von Beginn an dabei. Ich kleckere und ich verlege Dinge und bin immer spät dran.
Hallo, ich bin die Koffeinierte. Aber nicht nur, um wach zu werden, sondern weil Kaffe einfach lecker ist. Nur Milch, kein Zucker bitte!

Hallo, ich bin die mit dem Schlusswort. Ich schließe meine Schichten für heute. Besuchen Sie mich gerne wieder, für heute ist mein Ego geschlossen. Und wenn Sie morgen wiederkommen möchten, kann ich leider nicht versprechen, ob ich noch die Gleiche, wie heute bin.